Academy of Astrology

Astrologie und Jesuiten: was tatsächlich erlaubt war

Der üblichen Darstellung zufolge unterdrückte die Kirche die Astrologie, und das Fach überlebte bis ins 19. Jahrhundert im Untergrund. Die Quellen des 17. Jahrhunderts stützen das nicht, in Portugal so wenig wie anderswo.

Astrologie wurde an den Jesuitenkollegien gelehrt. Jesuiten tauschten sich brieflich über Horoskope aus. Ein Jesuit konnte einen Thronerben unterrichten, der Nativitäten sammelte und politische Prognosen stellte, und eine durchaus rechtgläubige Laufbahn fortsetzen. In Kraft war kein Verbot, sondern eine Unterscheidung – und es lohnt sich, diese Unterscheidung zu verstehen, denn sie hat die Technik selbst geformt.

Natürliche und judiziale Astrologie

Die natürliche Astrologie betraf den Einfluss des Himmels auf die körperliche Welt: Wetter, Landwirtschaft, Gezeiten, die Säfte, den Zeitpunkt der ärztlichen Behandlung. Daran nahm niemand Anstoß. Es war Physik, in der Sprache der Zeit, und als solche wurde sie gelehrt.

Die Judizialastrologie betraf Urteile über menschliche Angelegenheiten – Nativitäten, Elektionen, Stundenfragen, das Schicksal der Königreiche. Hier war der Einwand genau und theologisch: Wer zu wissen behauptet, was ein Mensch frei wählen wird, beansprucht ein Wissen, das allein Gott zukommt, und bestreitet damit stillschweigend den freien Willen.

Die Linie lief mitten durch die Praxis, und die Praktiker wussten genau, wo sie verlief. Die Bulle Sixtus' V. von 1586 verurteilt die Judizialastrologie, nimmt dabei aber die Urteile über Landwirtschaft, Seefahrt und Medizin ausdrücklich aus. Das ist eine Unterscheidung, kein Verbot.

Wie die Praktiker damit umgingen

Drei Haltungen standen offen, und alle drei finden sich in den Quellen.

Die erste war eine Frage der Lehre: Die Sterne neigen, aber sie zwingen nicht. Das ist Thomas von Aquin, und es ist die Formel, die eine astrologische Praxis mit der Rechtgläubigkeit vereinbar machte. Ein Horoskop zeigt Anlagen; der Wille bleibt frei, gegen sie zu handeln.

Die zweite war eine Frage des Gegenstands. Die Mundanastrologie betrifft Kollektive – ein Königreich, ein Heer, eine Ernte – und der Einwand aus dem individuellen freien Willen greift beim Schicksal einer Nation weniger.

Die dritte war Verschwiegenheit. Die Urteile liefen handschriftlich um, unter Leuten, die sie verstanden, und nicht im Druck.

Was das für die Technik bedeutete

Das ist der Teil, auf den es für die Praxis ankommt und nicht für die Geschichte.

Die Lehre von der Neigung ist kein Zugeständnis, das die Kirche den Astrologen abgerungen hätte. Sie beschreibt, was die Technik tatsächlich leistet, und sie bringt bessere Astrologie hervor als die Gegenthese. Ein Horoskop nennt die Bedingungen, unter denen eine Sache eintreten kann – die Anlage, die Verheißung, den Zeitpunkt der Auslösung. Es sagt nicht, dass der Geborene handeln wird. Wer alle Zeugnisse für Erfolg hat und sich weigert aufzustehen, wird keinen Erfolg haben, und kein traditioneller Autor fände das erstaunlich.

Der moderne Vorwurf, die traditionelle Astrologie sei fatalistisch, verfehlt genau das. Der Praktiker des 17. Jahrhunderts hatte einen theologischen und einen technischen Grund, das Gegenteil zu behaupten, und die beiden Gründe sind ein und derselbe.

Unsere Forschung umfasst die Praxis der Astrologie in Portugal zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert, anhand von Chroniken, Briefwechseln und Archiven.